Unfruchtbarkeit

Wen betrifft es?

Die Unfruchtbarkeit vor allem des Mannes ist ein schwerwiegendes Problem, da sie im klinischen Rahmen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Schätzungen zufolge sind weltweit 50-80 Millionen Paare unfruchtbar, was 7 bis 15 Prozent aller Paare im fortpflanzungsfähigen Alter (15 bis 45 Jahre) entspricht. Diese Zahlen umfassen sowohl die primäre (Paare, bei denen es noch nie zur Empfängnis gekommen ist) als auch sekundäre (Paare, die Probleme mit einer erneuten Empfängnis haben) Unfruchtbarkeit. Allerdings beträgt die Prävalenz bei letzterem Typ aufgrund der häufigen infektionsbedingten Unfruchtbarkeit in manchen Regionen im sogenannten Unfruchtbarkeitsgürtel in Afrika südlich der Sahara bis zu 30 Prozent.

Auf die unfreiwillig kinderlosen Paaren bezogen ist die männliche Unfruchtbarkeit für ca. 30 bis 50 Prozent aller Fälle verantwortlich. Das bedeutet, dass über 7 Prozent aller Männer im befruchtungsfähigen Alter von Unfruchtbarkeit betroffen sind. Die männliche Infertilität hat also eine höhere Prävalenz als Diabetes mellitus (Typ I und II), eine Erkrankung, die mit geschätzten 2,8 Prozent im Jahr 2000 und 4,4 Prozent in 2030 als häufig gilt.

 

Der Grund

Spermien-Dysfunktionen zählen zu den wichtigsten Ursachen von Unfruchtbarkeit. Indes ist das Wissen über die Ursachen dieser Störungen ungeachtet intensiver Forschungsbemühungen noch immer begrenzt. Zu den Faktoren, die bisher identifiziert werden konnten, zählt oxidativer Stress (OS), ein Zustand, bei dem die antioxidative Kapazität des Körpers der Menge freier Radikaler nicht mehr gewachsen ist. Ein Überschuss an reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) kann Gewebe und Organe schädigen. Zur Gewährleistung einer normalen Fertilität beim Mann gilt es daher, ein subtiles Gleichgewicht zwischen der Erzeugung von ROS und deren Eliminierung aufrechtzuerhalten. Ein ROS-Überschuss hat zudem einen negativen Einfluss auf das Ergebnis von Schwangerschaften und künstlichen Befruchtungsversuchen; er kann die DNA von Spermatozoen schädigen, Apoptose induzieren und zur Lipidperoxidation führen, was wiederum morphologische Abnormitäten, reduzierte Fruchtbarkeit und eine erhöhte Permeabilität der Spermienmembran zur Folge hat. Aus diesem Grund muss bei der Therapie von Männern mit verminderter Fruchtbarkeit die ROS-Konzentration sorgfältig anhand einer Spermaprobe ermittelt werden.

Oxidativer Stress trägt zur Ätiologie der männlichen Unfruchtbarkeit und Spermien-Dysfunktion bei, indem er zu Lipidperoxidation, abnormer Spermienfunktion und verstärkter Schädigung der mitochondrialen und nukleären DNA führt.

Quelle: Agarwal et al. Studies on Men´s Health and Fertility; 2012