Lenus Male

Varikozelenstudie 2009

Welche Rolle spielen Varikozelen bei männlicher Infertilität?
“Micronutrients as an alternative to fertility treatment in men with subclinical varicocele”

Üblicherweise treten Varikozelen bei 15-20% aller Männer auf. Bei Männern, die unter primärer Fertilität leiden, steigt dieser Prozentsatz auf 40%, bei Männern mit sekundärer Infertilität, also früherer Fertilität und aktueller Infertilität, sogar auf bis zu 70% (ASRM: Practice Committee 2006). Noch sind die genauen Ursachen, die Art und Weise, wie sich die Varikozele auf die Hoden, die Spermienqualität und letztendlich die Reproduktionsfähigkeit auswirkt, nicht hundertprozentig geklärt und die optimale Therapie und ihre Indikation noch Thema laufender Diskussion.


Varikozelen und oxidativer Stress

Einer der wichtigsten pathophysiologischen und therapeutischen Ansätze stellt der erhöhte oxidative Stress in den Hoden von Männern mit Varikozelen dar. Oxidative Schäden kommen in erster Linie durch das bei Varikozelenpatienten nachgewiesene Ungleichgewicht zwischen reaktiven Sauerstoffspezies und antioxidativer Kapazität sowie die vermutete gestörte Nutzung des antioxidativ wirkenden Coenzym Q10 zustande. Diese manifestieren sich besonders an Zellmembranen mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, wie zum Beispiel die Membranen von Spermien.


Wie können Varikozelen behandelt werden?

Neben der chirurgischen oder interventionellen Therapie stellt die Behandlung mit Mikronährstoffen eine weitere, neuere Form der Sub- oder Infertilitätstherapie von Varikozelenpatienten dar. Während Mikronährstoffe und Antioxidantien bei Männern mit idiopathischer Fertilitätsstörung schon häufiger mit guten Therapieresultaten eingesetzt werden, ist diese Therapieoption bei Männern mit Varikozele noch relativ unerforscht. Prinzipiell geht man bei Varikozelen davon aus, dass die durch Entzündungen und oxidativen Stress belastete Umgebung durch antiinflammatorische Medikamente (NSARs) und antioxidative Substanzen wie Vitamin E, Glutathion, Coenzym Q10 verbessert werden kann. Auch die Anwendung von L-Carnitin bzw. L-Acetylcarnitin, die für den Transport von Fettsäuren unabdingbar sind, scheint, für sich oder in Kombination mit einem entzündungshemmenden Medikament, eine gangbare Therapieoption zu sein. Die therapeutische Anwendung von Mikronährstoffen, wie Zink, Selen, Folsäure etc., ist dagegen in Zusammenhang mit Varikozelen wenig erforscht, zeigte jedoch als Kombinationspräparat mit Antioxidantien signifikante Verbesserungen.


Studiendesign

Im Rahmen dieser Studie am IMI Zentrum für Kinderwunschmedizin in Wien, Österreich, nahmen, nach Ausschluss von Infektionen, Aspermie und hormonellen Störungen, 55 Männer (Alter: 18-43; Ø 32a) mit subklinischer Varikozele (WHO-Einteilung 0,1), zwei pathologischen Spermiogrammen (mindestens ein Monat Abstand) und unerfülltem Kinderwunsch für mehr als zwei Jahre (Ø 2.7 Jahre) über drei Monate eine Kombination aus Mikronährstoffen (PROfertil®) ein, die L-Carnitin, L-Arginine, Vitamin E, Folsäure, Zinc, Selen, Glutathione und Coenzyme Q10 enthält.


Studienergebnisse im Detail

Mikronährstoffe sind eine Alternative zur Fertilitätstherapie bei Männern mit subklinischer Varikozele25: Die posttherapeutische Evaluation ergab eine Verbesserung aller Spermienparameter und das Eintreten einer Schwangerschaft in 41.18% (Tab. 5).

Fazit

Eine Behandlung mit Mikronährstoffen dürfte besonders für Männer mit subklinischen und niedriggraden Varikozelen, bei denen eine operative oder interventionelle Therapie nicht indiziert ist oder mehr Risiken als Nutzen birgt, eine Möglichkeit bieten, die Spermienqualität und damit die Fertilität zu verbessern.

Vergleich Samenanalyse prä- und posttherapeutisch (vor und nach drei Monaten Behandlung mit PROfertil®)